Coast FIRE: Wenn das Depot ohne weitere Sparrate bis zur Rente ausreicht
Coast FIRE ist der Punkt, an dem das bereits investierte Vermögen ohne weitere Einzahlungen allein durch Zinseszins bis zum geplanten Ruhestandsalter auf die FIRE-Zahl anwächst. Ab dann muss das Einkommen nur noch die laufenden Kosten decken; Sparen wird freiwillig.
Die Formel: Coast-FIRE-Zahl = FIRE-Zahl ÷ (1 + reale Rendite)^Jahre bis zum Ruhestand. Wer mit 67 eine FIRE-Zahl von 857.000 € braucht und heute 35 ist, benötigt bei 5 % realer Rendite über 32 Jahre etwa 180.000 € im Depot, um „auszurollen“. Mit 45 wären es schon 300.000 €, weil der Zinseszins zehn Jahre weniger Zeit hat.
Warum es früher kommt als FIRE: Die Zahl wächst nicht mehr mit der Sparrate, sondern mit der Zeit. Für die meisten Haushalte ist Coast FIRE der Punkt, der zuerst erreicht wird und psychologisch am meisten verändert, denn er trennt die Frage „kann ich weniger arbeiten“ von der Frage „kann ich aufhören“.
Welche Rendite: real rechnen, also mit heutiger Kaufkraft, rund 5 % für ein breit gestreutes Aktiendepot; wer 7 % nominal ansetzt, muss auch die Ausgaben mit Inflation hochrechnen. Die Renditeannahme ist die empfindlichste Stellschraube: ein Prozentpunkt weniger verschiebt Coast FIRE bei 30 Jahren Horizont um mehr als ein Viertel des Kapitals.
Deutsche Besonderheiten: Die gesetzliche Rente senkt die FIRE-Zahl und damit auch die Coast-FIRE-Zahl, weil ab 67 nur die Lücke gedeckt werden muss. Steuern fallen erst bei der Entnahme an, nicht beim Ausrollen; der Sparer-Pauschbetrag von 1.000 € pro Person bleibt jedes Jahr nutzbar, auch ohne neue Einzahlungen.
Berechne deine Coast-FIRE-Zahl für zwei Ruhestandsalter (60 und 67) und zwei Renditen (4 % und 5 %): Die Spanne zeigt, wie viel Sicherheit du dir mit ein paar Jahren mehr Sparen kaufst. Richify markiert den Coast-Punkt im Depotverlauf.

