Krankenversicherung im Frühruhestand: Freiwillige GKV, Beiträge auf Kapitalerträge und die Teilzeit-Lösung
In Deutschland ist die Krankenversicherung Pflicht. Angestellte oberhalb der Minijob-Grenze sind gesetzlich versichert mit Beiträgen nur auf den Lohn; wer vor der Rente ohne Beschäftigung lebt, ist freiwillig gesetzlich versichert und zahlt Beiträge auf alle Einkünfte — Kapitalerträge, Mieten, Entnahmen aus Rentenversicherungen — mindestens auf eine gesetzliche Mindestbemessungsgrundlage, oder privat mit altersabhängiger Prämie.
Beitragssätze: Der allgemeine Beitragssatz der GKV liegt bei 14,6 % plus dem kassenindividuellen Zusatzbeitrag (2025 im Schnitt rund 2,5 %), die Pflegeversicherung bei 3,6 % (Kinderlose ab 23 zahlen 0,6 Punkte mehr). Angestellte tragen davon die Hälfte; freiwillig Versicherte tragen den Beitrag allein, bis zur Beitragsbemessungsgrenze der Krankenversicherung von 66.150 € im Jahr (2025).
Freiwillig versichert: Bemessungsgrundlage sind alle Einkünfte, auch Kapitalerträge und Mieten, mindestens die Mindestbemessungsgrundlage von rund 1.250 € im Monat (2025), was einem Mindestbeitrag von grob 230 € einschließlich Pflege entspricht. Bei 30.000 € Jahreseinkünften aus Depot und Vermietung liegt der Beitrag bei rund 500 € im Monat, also 6.000 € im Jahr, die in der FIRE-Zahl mit 28,6-fach, rund 170.000 €, zu Buche schlagen.
Die Teilzeit-Lösung: Ein sozialversicherungspflichtiger Job oberhalb der Minijob-Grenze macht pflichtversichert, mit Beiträgen nur auf das Arbeitsentgelt und Arbeitgeberanteil. Das ist der Grund, warum Barista FIRE in Deutschland günstiger ist als in den USA, wo die Versicherung am Vollzeitjob hängt. Familienversicherung über den Ehepartner ist beitragsfrei, solange die eigenen Einkünfte unter der Grenze von 535 € im Monat (2025) bleiben.
Privat versichert: Die Prämie hängt von Alter und Gesundheit ab, nicht vom Einkommen, und steigt im Alter; ein Wechsel zurück in die GKV ist ab 55 kaum möglich. Für Frühruheständler mit hohen Kapitaleinkünften kann die PKV günstiger sein, für alle anderen ist die freiwillige GKV mit ihrer Beitragsbemessungsgrenze planbarer. Ab Rentenbeginn zahlt die Krankenversicherung der Rentner nur auf Rente und Versorgungsbezüge, nicht mehr auf Kapitalerträge.
Rechne die Krankenversicherung als eigene Zeile in die Ausgaben der Brückenphase ein, mit dem freiwilligen Beitrag auf deine geplanten Entnahmen, und prüfe, ob ein Teilzeitjob oder die Familienversicherung sie ersetzt. Richify führt Versicherungen als wiederkehrende Ausgaben in der FIRE-Zahl mit.

