Schweiz · Daten · ESTV 2022

Durchschnittsvermögen Schweiz: und warum der Durchschnitt täuscht

Rechnerisch besitzt jede steuerpflichtige Einheit CHF 426'538. Gleichzeitig versteuern 52,5 % höchstens CHF 50'000. Beides stammt aus derselben amtlichen Tabelle — hier steht die ganze Verteilung, und was in ihr fehlt.

Geschrieben von Ada, Richifys KI-Finanzgesundheits-Assessorin — eine KI-Autorin, transparent als solche gekennzeichnet · unsere redaktionellen Standards

Kurze Antwort (Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV), Vermögenssteuerstatistik 2022): Das gesamte veranlagte Reinvermögen von CHF 2'404'749'933'690 verteilt sich auf 5'637'827 Steuerpflichtige — im Mittel CHF 426'538. Der Median liegt dagegen unter CHF 50'000: 22,3 % versteuern gar kein Vermögen, weitere 30,2 % liegen darunter. Die 0,37 % mit über 10 Millionen halten 35,6 % des Ganzen; Gini 0,823. Vorsorgeguthaben sind in keiner dieser Zahlen enthalten.

Die vollständige Verteilung nach Vermögensstufen

Anzahl Steuerpflichtige und Reinvermögen je Stufe sind von der ESTV publiziert; die Prozent- und Kumuliert-Spalten rechnen wir daraus aus. Such deinen eigenen Betrag in der linken Spalte — die Spalte «kumuliert» sagt dir, welcher Anteil der Schweiz darunter liegt.

ReinvermögenSteuerpflichtigeAnteilkumuliertAnteil am Vermögen
kein Reinvermögen (0 CHF)1'258'69222,3 %22,3 %0,0 %
bis 50'0001'703'16830,2 %52,5 %1,2 %
50'000 – 100'000548'8469,7 %62,3 %1,7 %
100'000 – 200'000571'09310,1 %72,4 %3,4 %
200'000 – 500'000738'62713,1 %85,5 %10,0 %
500'000 – 1 Mio.425'3987,5 %93,0 %12,4 %
1 – 2 Mio.228'3504,1 %97,1 %13,1 %
2 – 3 Mio.66'2821,2 %98,3 %6,7 %
3 – 5 Mio.46'7310,8 %99,1 %7,4 %
5 – 10 Mio.29'6650,5 %99,6 %8,5 %
über 10 Mio.20'9750,4 %100,0 %35,6 %

Zwei Zeilen lohnen den zweiten Blick. Ganz oben: 1'258'692 Steuerpflichtige — 22,3 % — versteuern kein Vermögen. Ganz unten: 20'975 Steuerpflichtige mit mehr als 10 Millionen, also 0,37 %, halten 35,6 % des gesamten Reinvermögens. Die untere Hälfte der Verteilung kommt zusammen auf 1,20 %.

Quelle: Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV), Vermögenssteuerstatistik 2022 · Steuerjahr 2022 (Stand 31. Dezember 2022), publiziert 20. November 2025 · von uns am 01.09.2026 aus der ESTV-Originaltabelle ausgelesen. Unsere ausgelesenen Summen stimmen exakt mit den publizierten Totalen überein.

Mittelwert oder Median — welche Zahl gilt für dich?

Der Mittelwert von CHF 426'538 ist korrekt gerechnet und beschreibt trotzdem fast niemanden. Er entsteht, weil eine sehr kleine Gruppe sehr grosse Vermögen hält: Der Durchschnitt in der obersten Stufe liegt bei über 40 Millionen und zieht das Mittel des ganzen Landes nach oben.

Die ESTV publiziert keinen Median, aber die Stufen grenzen ihn hart ein: Da 22,3 % null versteuern und weitere 30,2 % zwischen 0 und CHF 50'000 liegen — zusammen 52,5 % — muss die Mitte der Verteilung unterhalb von CHF 50'000 liegen. Das ist eine gesicherte Aussage aus publizierten Zahlen. Interpoliert man innerhalb dieser Stufe, landet man bei rund CHF 45'800 — das ist unsere Schätzung, klar als solche gekennzeichnet und keine amtliche Zahl.

Damit liegt das Verhältnis von Mittelwert zu Median bei etwa 9 zu 1. Zum Vergleich: In Deutschland beträgt dieses Verhältnis rund 3 zu 1, in den Niederlanden rund 2,5 zu 1. Ein Teil dieses Unterschieds ist echte Konzentration — der grössere Teil ist Messmethode, und genau darum geht es im nächsten Abschnitt.

Was in diesen Zahlen nicht enthalten ist

Diese Statistik erfasst das veranlagte Reinvermögen — also genau das, was die Kantone besteuern. Drei sehr grosse Blöcke gehören nicht dazu, und alle drei drücken die Zahlen nach unten:

  • Die Vorsorge. Guthaben der 2. Säule und der Säule 3a sind in allen Kantonen bis zur Auszahlung von der Vermögenssteuer befreit. Für einen grossen Teil der Erwerbstätigen ist das der grösste Vermögensposten überhaupt — und er fehlt hier vollständig.
  • Der Liegenschaftswert. Immobilien fliessen mit dem kantonalen Steuerwert ein, der in der Regel deutlich unter dem Verkehrswert liegt. Wer ein Haus besitzt, erscheint in dieser Statistik ärmer, als er ist.
  • Vermögen ausserhalb des Wohnsitzkantons. Erfasst ist nur das im Wohnsitzkanton steuerbare Reinvermögen. Was anderen Kantonen oder dem Ausland zur Besteuerung zusteht, fällt gemäss ESTV ausdrücklich ausser Betracht — bei Auslandsimmobilien und ausländischen Depots also ein realer blinder Fleck.

Ein «Durchschnittsvermögen Schweiz» aus dieser Quelle ist deshalb eine Untergrenze, keine Vollerhebung des Reichtums. Was die Zahlen dagegen sehr zuverlässig zeigen, ist die Form der Verteilung — und die ist eindeutig.

Wer zählt hier eigentlich als eine Person?

Eine Feinheit, die viele Vergleiche unbrauchbar macht: Gezählt werden Steuerpflichtige, also Veranlagungseinheiten. Ledige zählen einzeln, gemeinsam veranlagte Ehepaare zählen als eine Einheit. Die Zahlen sind damit weder streng pro Kopf noch streng pro Haushalt — wer sie mit Pro-Kopf-Statistiken anderer Länder vergleicht, vergleicht verschiedene Dinge.

Ausserdem sind 449'208 der 5'637'827 Steuerpflichtigen nur beschränkt steuerpflichtig — überwiegend Personen ohne Wohnsitz in der Schweiz, die hier eine Liegenschaft besitzen. Rechnet man nur mit den unbeschränkt Steuerpflichtigen, steigt der Mittelwert leicht auf CHF 441'249; an der Verteilung ändert sich praktisch nichts.

Schweiz, Deutschland und die Niederlande im Vergleich

LandMedianMittelwertGrundlage
Schweizunter CHF 50'000CHF 426'538Steuerdaten, je Veranlagung, ohne Vorsorge
Deutschland103.200 EUR324.800 EURBefragung, je Haushalt, Marktwerte
Niederlande135.500 EUR333.500 EURRegister, je Haushalt, ohne Pensionen

Diese Tabelle ist bewusst mit einer Spalte «Grundlage» versehen, weil die Zahlen nicht direkt vergleichbar sind. Die Schweiz ist real vermögender, als die linke Spalte suggeriert — Steuerwerte statt Marktwerte, keine Vorsorge, kein Auslandsvermögen. Wer trotzdem einen Satz mitnehmen will: In allen drei Ländern liegt der Mittelwert weit über dem Median, und in allen dreien ist der wichtigste Bruch nicht das Einkommen, sondern ob jemand Wohneigentum besitzt.

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Häufige Fragen

Wie hoch ist das durchschnittliche Vermögen in der Schweiz?+

Rechnerisch CHF 426'538 je steuerpflichtiger Einheit: das gesamte veranlagte Reinvermögen von CHF 2'404'749'933'690 geteilt durch 5'637'827 Steuerpflichtige (ESTV, Steuerjahr 2022). Diese Zahl beschreibt aber fast niemanden. Im gleichen Datensatz versteuern 52,5 % aller Steuerpflichtigen höchstens CHF 50'000, und 1'258'692 Personen beziehungsweise Ehepaare — 22,3 % — versteuern überhaupt kein Vermögen. Der Mittelwert wird von einer sehr kleinen Spitze nach oben gezogen: Die 0,37 % mit über 10 Millionen halten allein 35,6 % des gesamten Vermögens.

Wie hoch ist das Medianvermögen in der Schweiz?+

Die ESTV publiziert keinen Median, aber die publizierten Stufen grenzen ihn hart ein: 22,3 % versteuern null, weitere 30,2 % liegen zwischen 0 und CHF 50'000 — zusammen 52,5 %. Die Mitte der Verteilung liegt damit sicher unterhalb von CHF 50'000. Interpoliert man innerhalb dieser Stufe, landet man bei etwa CHF 45'800; das ist unsere Schätzung und keine amtliche Zahl. Das Verhältnis von Mittelwert zu Median beträgt damit rund 9 zu 1 — ein extremer Wert, der zu ungefähr gleichen Teilen echte Konzentration und Messmethode abbildet.

Warum versteuert mehr als jeder Fünfte gar kein Vermögen?+

Weil in der Schweiz drei sehr grosse Vermögensblöcke gar nicht in der Vermögenssteuer erscheinen. Erstens die berufliche Vorsorge: Guthaben der 2. Säule und der Säule 3a sind in allen Kantonen bis zur Auszahlung von der Vermögenssteuer befreit — für viele Erwerbstätige ist genau das ihr grösster Vermögensposten. Zweitens werden Liegenschaften mit dem kantonalen Steuerwert erfasst, der in der Regel deutlich unter dem Verkehrswert liegt. Drittens erfasst die Statistik nur das im Wohnsitzkanton steuerbare Vermögen; was anderen Kantonen oder dem Ausland zusteht, fällt ausser Betracht. Wichtig ist auch: Die ESTV zählt Steuerpflichtige ohne Reinvermögen ausdrücklich mit — die Nullklasse ist eine echte Beobachtung und kein Erfassungsloch.

Wie ist das Vermögen in der Schweiz verteilt?+

Sehr ungleich, und die Zahlen sind eindeutig. Die untersten 52,5 % der Steuerpflichtigen halten zusammen 1,20 % des gesamten Reinvermögens. Am anderen Ende halten die 0,37 % mit mehr als 10 Millionen 35,6 %. Der ESTV-Bericht zum gleichen Jahr weist für das oberste Prozent einen Anteil von 45,8 % aus und einen Gini-Koeffizienten von 0,823. Zur Einordnung: Ein Gini von 0,823 ist für Vermögen auch im internationalen Vergleich hoch — er misst hier allerdings eine Verteilung, aus der die Vorsorgeguthaben herausgerechnet sind, die gerade in der unteren Hälfte am meisten ausmachen würden.

Sind Pensionskassenguthaben in diesen Zahlen enthalten?+

Nein, und das ist die wichtigste Einschränkung der ganzen Statistik. Kapitalien der beruflichen Vorsorge (2. Säule) und der gebundenen Selbstvorsorge (Säule 3a) sind in allen Kantonen bis zum Zeitpunkt der Auszahlung von der Vermögenssteuer befreit. Sie erscheinen deshalb nirgends in dieser Erhebung — obwohl sie für einen grossen Teil der erwerbstätigen Bevölkerung der mit Abstand grösste Vermögensposten sind. Wer seine eigene Lage einordnen will, sollte die Zahlen dieser Seite deshalb als Vermögen NEBEN der Vorsorge lesen, nicht als Gesamtvermögen. Mit dem Säule-3a-Rechner auf dieser Website lässt sich der dritte Pfeiler separat abschätzen.

Warum sehen die Schweizer Zahlen so anders aus als die deutschen oder niederländischen?+

Weil hier nicht dasselbe gemessen wird. Die deutschen (Bundesbank, Median 103.200 Euro) und niederländischen Zahlen (CBS, Median 135.500 Euro) stammen aus Haushaltsbefragungen und bewerten Immobilien zu Marktwerten. Die Schweizer Zahlen stammen aus Steuerveranlagungen, bewerten Liegenschaften zum tieferen Steuerwert, lassen Vorsorgeguthaben und Auslandsvermögen weg und zählen pro steuerpflichtiger Einheit statt pro Haushalt. Die Schweiz ist real vermögender als diese Statistik zeigt, und der Abstand zwischen Mittelwert und Median ist real gross — aber die Grössenordnung des Unterschieds zu Deutschland oder den Niederlanden ist überwiegend Messmethode. Direkte Vergleiche der absoluten Zahlen führen in die Irre.

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